
Am Samstag, 20. Januar, um 5 Uhr morgens war es soweit. Eine Delegation von sechs Mitgliedern der Geislechlöpfer Buttisholz besuchten die Schneller-WM in Weingarten (D). Nach kurzweiliger Fahrt wurden die topmotivierten Chlöpfer von der Plätzlerzunft Weingarten herzlich empfangen. Nach einer intensiven Vorbereitung für diesen Grossanlass war eine Besichtigung der Wettkampfarena und deren Platzverhältnisse ein Muss.
Frostige Temperaturen und langes Warten auf ihren Einsatz hielten die Teilnehmer aus dem Rottal nicht davon ab, nachmittags ihr Können in der Kategorie 3er und 4er Gruppe unter Beweis zu stellen. Dabei chlöpfen drei oder vier Personen nacheinander im gleichbleibenden Takt. In der Kategorie 4er Gruppe konnte der gute dritte Platz erreicht werden. Als in der Kategorie 3er Gruppe der Sieg feststand, gab es kein Halten mehr. Bis spät in die Nacht feierten die frischgebackenen Weltmeister diese tollen Ergebnisse.
Während die Buttisholzer mit langstieligen Geiseln (geflochten aus Hanffasern) anreisten, sind in Deutschland und im Südtirol die kurzstieligen Geiseln bekannter, zum Teil geflochten aus Leder. Auch Fuhrmansgeiseln kamen zum Einsatz. Einige WM-Teilnehmer hatten einen doch fragwürdigen Chlöpferstil, was es der Jury bei der Notengebung nicht einfacher machte, und im Publikum zu einigen verunsicherten Blicke führte. Nach einer kurzen Nacht und einem (reichhaltigen) Frühstück traten die Chlöpfer tiefenentspannt, einem WM-Titel und vielen tollen Eindrücken die Heimreise an.
Die Weltmeisterschaft im Geislechlöpfen wurde zum 7. Mal ausgetragen. Sie wurde dieses Jahr im Rahmen des grossen Narrentreffens von der Plätzlerzunft Altdorf Weingarten im Klosterhof der Basilika in Weingarten organisiert. Weltmeistertitel wurden in den verschiedenen Kategorien (Nachwuchs bis Aktive) im Einzel, 2-er, 3-er und 4-er vergeben. Rund 20 Prozent waren weibliche Teilnehmerinnen. In Deutschland wird das Geislechlöpfen «Schnellen mit der Karbatsche» genannt. Die Karbatsche ist eine Peitsche, gefertigt aus Hanfseilen.
Wie wurden die Buttisholzer Geislechlöpfer aufmerksam auf diese Weltmeisterschaft, die nur alle 4 Jahre stattfindet?
Pirmin Graber: Durch die mit uns befreundeten Geislechlöpfer aus Ohmstal, die vor vier Jahren selber die Weltmeisterschaft in Pfullendorf (D) besuchten. Das hat uns gereizt, das selber einmal zu erleben. Es war für uns rein gesellschaftlich betrachtet ein schönes Erlebnis, konnten wir doch viele Kontakte mit den rund 320 Teilnehmenden, die aus Deutschland, Italien und der Schweiz anreisten. Auch der Klosterhof der Basilika in Weingarten, die Wettkampfstätte, war imposant.
Mit welchen Erwartungen reisten die Rottaler nach Weingarten?
Dass wir mit einem Weltmeistertitel und einem 3. Rang die Heimreise antreten würden, hätten wir nicht gedacht. Das kam sicher überraschend und wir hatten das nicht erwartet. Umso grösser war die Freude über den Erfolg in der 3-er und 4-er Kategorie. In der Kategorie, wo wir Weltmeister wurden, waren 10 Gruppen am Start und die Konkurrenz somit gross.
Was wurde bewertet beim Wettkampf?
Jede Person musste 30 Sekunden Geislechlöpfen. Bewertet wurde die Geisleführung, die Körperhaltung, der Takt und die Knallentwicklung. Ich denke, dass unser lauter Knall die Jury begeisterte. Ich stand selber noch in der Jury bei anderen Wettkämpfen, das war interessant, das einmal aus der anderen Perspektive zu beurteilen und erleben.
Wird man wieder einmal eine WM besuchen?
Für uns war das eine einmalige Sache. Aber eine unvergessliche Erfahrung.