
Wenn andere zum 90. Geburtstag eher leise Töne anschlagen, ging es in Ruswil richtig rund: Mit einem energiegeladenen Programm, einer menschlichen Geburtstagstorte auf der Bühne und über 100 Mitwirkenden im Alter von 3 bis 70 Jahren wurde das Jubiläum zu einem echten Fest für die Sinne. Rund 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer erlebten in zwei Vorstellungen in der Mehrzweckhalle ein Feuerwerk an Musik, Bewegung und Humor – so viel Publikum wie sonst an vier Aufführungen im Pfarreiheim.
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«Wir sind einfach eine coole Truppe mit super Zusammenhalt. Vor all diesen Leuten zu singen war definitiv ein Erlebnis», erzählt Veronika Feuz (24), die seit zwei Jahren im Trachtenchor mitwirkt. Ihre Freude war sinnbildlich für die spürbare Begeisterung aller Beteiligten. Eröffnet wurde der Abend vom Nachwuchs: Die Kinder- und Jugendgruppe sowie das Kinderplauschchörli zeigten mit frischem Elan, dass die Trachtengruppe zwar 90 Jahre alt, aber noch lange nicht in die Jahre gekommen ist. Die kleine Ileina (6) tanzte sogar in der Pause weiter über die Bühne und sagte stolz: «Es hat grossen Spass gemacht, auf der Bühne zu tanzen. Gegen die Nervosität halfen Traubenzucker.» Auch die „Grossen“ – die Trachtenmusig, der Trachtenchor, die Tanzgruppe und die Plauschtänzer – standen dem jugendlichen Schwung in nichts nach.
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Das Programm war ein bunter Strauss an Darbietungen – mal traditionell, mal überraschend modern. Tänze reichten vom klassischen Volkstanz bis hin zum Fox, und mit „Zrog id Zuekunft“ wurde sogar zur zeitgenössischen Musik getanzt. Die Mischung zeigte eindrucksvoll, wie vielseitig sich Brauchtum ins Hier und Jetzt übersetzen lässt. Auch aktuelle Themen wurden charmant auf die Bühne gebracht: Mit dem Lied „Händyfieber“ wurde der digitale Wahnsinn des Alltags augenzwinkernd auf die Schippe genommen. Und Klassiker wie „Niened geits so schön & luschtig“ oder „Mier gönd no lang ned hei“ erinnerten an das Leben und die Freude der vergangenen Jahrzehnte – und schenkten dem Publikum ein Stück Heimatgefühl.
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Für herzhafte Lacher sorgte zwischen den Darbietungen die Figur der Bäckerin Josephine, die mit allerlei Pannen – inklusive Stromausfall – versuchte, die perfekte Geburtstagstorte zu backen: gesund, vegan, aber bitte auch lecker. Während die Moderatorin mit den Nerven kämpfte, feierte das Publikum Josephines Missgeschicke mit viel Gelächter. Doch das kulinarische Finale war ein voller Erfolg: Nach dem Auftritt der „menschlichen Geburtstagstorte“ auf der Bühne erhielten alle Zuschauenden der Abendvorstellung einen Muffin – 736 an der Zahl, am Vortag liebevoll gebacken in den Backöfen zahlreicher Haushalte aus dem Quartier Ober-Neuhus.
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Dass dieser grosse Heimatabend reibungslos funktionierte, war kein Zufall. OK-Präsidentin Veronika Emmenegger und ihr 15-köpfiges Organisationsteam hatten über ein Jahr lang geplant. „Wir sind die zweitgrösste Trachtengruppe im Kanton. Mein Wunsch zum Jubiläum? Dass wir weiterhin so motivierte Mitglieder haben – und neue dazugewinnen. Nur dank ihnen ist so ein Anlass möglich“, sagte sie nach der Aufführung.
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